Zwangsräumung in Berlin-Treptow

Stadt & Umstrukturierung / Umwelt & Stadtteil

Berlin / 15.08.2018

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Zwangsräumung in Berlin-Treptow trotz Protesten durchgesetzt

In der Kiefholzstraße 8 in Berlin Alt-Treptow versuchten am 15. August 2018 rund 70 Aktivist*innen sowie solidarische Nachbar*innen eine Zwangsräumung zu verhindern. Auf Bitten der Gerichtsvollzieherin und der Hausverwaltung setzte die Polizei die Räumung schließlich nach etwa 4 Stunden mit rund 60 BeamtInnen durch.

Der Mieter zog vor 14 Jahren in die Kiefholzstrasse, als hier noch der verträumte Osten an der Grenze zu Kreuzberg sich gerade neu erfand. In kürzester Zeit wurde aber auch dieser Winkel Berlins zu einem verwertbaren Spekulationsobjekt. In diesem Fall spekulierte ein Hamburger Eigentümer darauf, dass er für diese Wohnung sehr viel mehr Miete bekommen könnte. 2015 wurde das heruntergekommene Haus an die ERNO Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG aus Hamburg verkauft. Diese nahm einige Reparaturen vor, vieles aber blieb in schlechtem Zustand. So ist die Heizung in der Küche defekt, die Böden und das Bad sind reparaturbedürftig, die gesamte Wohnung ist allgemein in einem schlechten Zustand. Die Miete wollte der neue Eigentümer trotzdem erhöhen. Wären die Schäden in der Wohnung beseitigt worden, hätte der Mieter der Mieterhöhung zugestimmt. Da dies nicht passierte bezahlte er die alte Miete. Dies führte zur Kündigung und zu einem gerichtlichen Räumungsurteil.

„Zwangsräumung ist eine existenzielle Bedrohung für Mieter*innen und ist das restriktivste Mittel für Eigentümer*innen. Gleichzeitig wächst die Obdachlosigkeit derart rasant, dass mittlerweile sogar der Mittelstand bedroht ist“, sagte eine Aktivistin von „Zwangsräumungen verhindern“ am Rande der Aktion. „So etwas passiert ständig. Es ist immer der gleiche Ablauf: Eigentümerwechsel, Mieterhöhung, Rauswurf. Nur die Namen ändern sich.“

Ein ausführlicher Bericht über die Räumung beim Bündnis gegen Zwangsräumungen